Insolvenzen

Für seine Sanierung hat der einstige Skandalkonzern WorldCom, der heute als MCI firmiert, allein rund 800 Millionen Dollar für Berater ausgegeben. Das meldete das US-Anwaltsblatt 'New York Law Journal' unter Berufung auf Unternehmensangaben. Allein Weil, Gotshal & Manges habe als Hauptkanzlei in dem zweijährigen Insolvenzverfahren über 35 Millionen Dollar an Honoraren und Spesen abgerechnet. Insgesamt sei ein Dutzend Kanzleien im Einsatz gewesen und habe weitere Millionenbeträge kassiert. Mehrere zehn Millionen Dollar seien außerdem an die Wirtschaftsprüfer von KPMG und PwC gegangen.Unter dem damaligen Namen WorldCom hatte der zweitgrößte Fernsprechanbieter nach AT&T vor zwei Jahren einen der größten Bilanzskandale der amerikanischen Firmengeschichte zu verantworten. Nach einem komplizierten Chapter 11-Insolvenzverfahren präsentierte sich WorldCom Ende April mit neuer Führung und dem neuem Namen MCI als saniert.

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Die Bochumer GEA-Gruppe, ein Tochterunternehmen der mg technologies, hat den Anlagenhersteller Diessel übernommen. Diessel, die im vergangenen Herbst Insolvenz angemeldet hat, hatte bereits im vierten Quartal 2003 einige Großaufträge akquirieren können. Für das laufende Jahr erwartet die neue Muttergesellschaft einen Umsatz von 33 Millionen Euro. Berater GEA-Gruppe

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Die Kölner Staatsanwaltschaft hat wegen Insolvenzverschleppung vor dem Amtsgericht Köln Anklage gegen den ehemaligen Verleger Ludwig Könemann und zwei weitere Geschäftsführer erhoben. Der in den 1990er Jahren als rasanter Aufsteiger geltende Buchverleger meldete für seine Verlagsgesellschaft im Dezember 2001 Insolvenz an, nachdem die Bayerische Landesbank die Kredite gekündigt hatte. Nach Ansicht der Ermittler war das Unternehmen jedoch bereits im März des Jahres überschuldet. Die Verteidiger hingegegen meinen, die Anklagebehörde bewerte die zum fraglichen Zeitraum vorhandenen Buchbestände falsch. Verteidiger Könemann

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Rund drei Jahre nach der Insolvenz der Kinowelt AG muss sich seit Mitte April der Ex-Vorstandsvorsitzende Michael Kölmel vor dem Münchner Landgericht wegen Betrugs, Insolvenzverschleppung und anderer Delikte verantworten. Vorgeworfen wird ihm, rund 20 Millionen Euro aus der Kinowelt auf Konten seiner Firma Sportwelt umgeleitet und so den Aktionären und Gläubigern entzogen zu haben. Kölmel übernahm später mit Hilfe der Sparkasse Leipzig wesentliche Unternehmensteile aus der Insolvenz und gründete im Osten die Kinowelt GmbH. Zugleich ist er auch einer der wesentlichen Investoren des dortigen WM-Stadionbaus, das zugleich dem - ebenfalls insolventen - VfB Leipzig wieder Auftrieb geben soll. Ein Urteil wird nicht vor Ende Juli erwartet. Verteidiger Michael Kölmel

Latham in Bewegung

Nachdem Latham & Watkins erst vor kurzem ein Bankrechtsteam von Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom angeheuert hatte (JUVE 05/04), hat die Kanzlei im April in den USA zwei weitere Quereinsteiger gewinnen können: In New York wechselte der Insolvenzrechtler Mitchell Seider (43) von der angesehenen Kanzlei Kramer Levin Naftalis & Frankel. Im Sillicon Valley kam der Technologie- und IP-Spezialist Glenn Nash (39) von der Westküstenkanzlei Cooley Godward.Der Insolvenzexperte Seider ist spezialisiert auf die Beratung von Gläubigerausschüssen, auf die Betreuung von Unternehmen in Chapter-11-Verfahren und auf außergerichtliche Restrukturierungen. Bevor er 2001 Partner bei der als sehr profitabel geltenden New Yorker Kanzlei Kramer Levin wurde, war er bei Sheinfeld, Maley & Kay in Houston tätig gewesen. Latham stärkt mit dem neuen Partner wieder ihre New Yorker Insolvenzrechtspraxis, nachdem man im vergangenen September den Verlust von Martin Flics an Linklaters verkraften musste(JUVE 11/03).

Neue Kanzlei auf Wachstumskurs

Der Rechtsanwalt und Notar Dr. Axel Hofmann (61) verstärkt seit Anfang Mai die erst vor kurzem entstandene Kanzlei Salger Rechtsanwälte in Frankfurt. Bislang war Hofmann Partner bei Coudert Brothers. Er ist vorwiegend im Gesellschafts- und Insolvenzrecht tätig. Zeitgleich mit Hofmann wechselte Dr. Regine Schunda (36) zu Salger. Die Gesellschaftsrechtlerin war bis dahin Associate in der Frankfurter Lovells-Niederlassung.

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Die Basketballbundesliga entwickelt sich zu einer Pleite-Liga. Nachdem im Dezember der Traditionsklub Brandt Hagen Insolvenz beantragt hatte, traf es Mitte März den €Mitteldeutschen BC€ (MBC) aus dem sachsen-anhaltinischen Weißwasser. Ironie des Schicksals: Dem wirtschaftlichen Niedergang steht ein sportlicher Höhenflug gegenüber. Als zweiter deutscher Basketballverein überhaupt konnte der MBC einen europäischen Vereinswettbewerb gewinnen, den IBA Europe Cup. Anders als in Hagen blieb die komplette Mannschaft, inklusiv dem Coach und ehemaligen Bundestrainer Henrik Dettmann auch nach dem Insolvenzantrag in Weißwasser. Eigentlich eine gute Perspektive, um auch im nächsten Jahr Erstligabasketball in der Region um Halle herum zu erleben, wenn...++++ ... ja, wenn die Funktionäre nicht wären. Erst wollte Otto Reintjes, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga GmbH - der im basketballdeutsch auch Commissioner heißt - den MBC sofort vom Spielbetrieb ausschließen. Dies konnte der vorläufige Insolvenzverwalter, der Kübler-Partner aus Halle, Dr. Dieter Kühne nur mit einer beim Landgericht Köln beantragten einsweiligen Verfügung verhindern. Er sicherte damit dem Verein die Zugehörigkeit zur ersten Liga zunächst bis zum 30. April. Doch das genügt nicht. Denn wenn der Verein vor Ablauf der Saison am 31. Juli seine Lizenz verliert, triit die Kündigung des Teilnahmerechtsvertrags in Kraft und der MBC steht neben Brandt Hagen als zweiter Absteiger fest. "Damit hätten wir die sportlichen Kriterien für die Beantragung einer Bundesligalizenz zur neuen Saison nicht erfüllt", sagt Kühne. Er bereitet sich daher auf die Hauptverhandlung beim Schiedsgericht vor - "da ist man nicht so häufig" -, um die sportlichen Voraussetzungen noch zu schaffen. Hinzu kommen müssen natürlich noch wirtschaftliche Kriterien. Doch anders als im Basketball ist der Insolvenzexperte hier Profi. Er versucht über eine Auffanglösung die Lizenz für die nächste Saison zu erhalten und hat auch schon einen Business-Plan in der Schublade. Dieser sieht einerseits Einsparungen für den Vereinsbetrieb vor, andererseits setzt er auf die Beteiligung der regionalen Wirtschaft als Sponsoren. Mit dem MBC identifiziere sich die ganze Region, so Kühne, so dass der Verein auch einen positiven Standortfaktor bilde. ++++

Dies ist nun dem bisherigen Chef-Justiziar von Babcock Borsig, Dr. Georg Peter Cornelius Kränzlin, widerfahren. Der 49-jährige ehemalige Anwalt der Bremer Kanzlei Ahlers & Vogel war bereits im März 2003 in den Vorstand des insolventen Oberhausener Anlagenbauers berufen worden. Dort war er zuständig für die Bereiche Personal, Recht und Mergers & Acquisitions. Seit dem 1. April fungiert er als Alleinvorstand und wird sich der Abwicklung der schon abgeschlossenen Unternehmenskaufverträge, der Überprüfung der angemeldeten Gläubigerforderungen und der unternehmerischen Begleitung der nicht-insolventen Unternehmen bis zu einem späteren Verkauf widmen, teilte Kränzlin mit. Kränzlin folgt dem Düsseldorfer Insolvenzverwalter Horst Piepenburg (Piepenburg – Gerling), der Babcock Borsig als Vorstandsvorsitzender und so genannter Eigenverwalter bis Anfang des Jahres geführt hatte. Zudem vereinbarungsgemäß den Vorstand verlassen hat der seit Juli 2002 für Finanzen verantwortliche Görg-Partner Dr. Helmut Balthasar. Der Sanierungsspezialist nimmt seine Tätigkeit in der Kanzlei nun wieder in vollem Umfang wahr.

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Die von dem Filmproduzenten Jan Mojto gehaltene EOS Distribution GmbH hat aus der KirchMedia-Insolvenzmasse alle Anteile an der Beta Film GmbH gekauft. Zuvor waren sämtliche in der KirchGruppe gehaltenen internationalen Filmrechte bei Beta Film konzentriert worden. Die Filmrechtebibliothek von Kirch war mit etwa 63.000 Stunden Fiction Programm eine der größten Europas.

Insolvenzrecht

Die mit bundesweit 19 Standorten größte deutsche Insolvenzkanzlei Schultze & Braun betritt Neuland: Künftig will sie in dem als 'closed shop' geltenden Berliner Markt auch Verwaltungen übernehmen. Der Anwalt Carsten Cervera (33), der Anfang März von Kübler gekommen ist, soll für Schultze & Braun als Verwalter den Weg in der Hauptstadt ebnen. Cervera war bislang nicht als Verwalter tätig, wirkte jedoch bei einer Reihe von Verfahren als Anwalt im Hintergrund mit. Er ist in vielen insolvenzrechtsnahen Vereinen und Arbeitsgemeinschaften in Berlin aktiv und dürfte somit in der Szene über einige Kontakte verfügen.

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Er ist gefunden: Der Exportschlager bei internationalen Unternehmensinsolvenzen. Dieser Ansicht ist jedenfalls Dr. Bernd Meyer-Löwy, Kölner Juniorpartner und Insolvenzfachmann von Linklaters Oppenhoff & Rädler. In der aktuellen Ausgabe der ZinsO kommt er anhand der Insolvenz der Automold GmbH zu diesem Ergebnis. Der Fall mag als Modellfall für die Anwendung der Europäischen Insolvenzverordnung (EuInsVO) gelten.