Insolvenzen

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Die von der insolventen Beteiligungsgesellschaft Sirius gehaltenen Anteile am Immobilienunternehmen IVG in Höhe von 50 Prozent minus einer Aktie gehen unmittelbar vom Insolvenzverwalter an das Bankhaus Sal. Oppenheim und verschiedene Gläubigerbanken über. Darauf haben sich der Insolvenzverwalter und die Banken Ende Februar verständigt.Zunächst hatten die Banken eine Versteigerung der Anteile angedacht. Die Geldinstitute wollten ihr Pfandrecht an dem IVG-Anteil, den Sirius über Kredite in Höhe von rund 600 Millionen Euro finanziert hatte, verwerten. Nach Verhandlungen zwischen Banken und Verwalter und einer Art Bieterprozess stieg am Ende Sal. Oppenheim ein, das 25,1 Prozent der Beteiligung erwarb; die restlichen Anteile verbleiben bei den bisherigen Sirius-Gläubigerbanken DZ Bank, HSH Nordbank, WGZ Bank und IKB. Die Institute werden ihre jeweilige Beteiligung nun eigenständig stückweise verkaufen. Ganz ausgestiegen ist dagegen die US-Investmentgesellschaft Fortress. Das Investmenthaus hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit Goldman Sachs die notleidenden Forderungen der BW Bank gegen Sirius erworben und wurde so vorübergehend Teil des Bankenkonsortiums. (Jörn Poppelbaum)

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Der indische Automobilzulieferer Bharat Forge Limited hat den Geschäftsbetrieb des insolventen Automobil- und Eisenbahnzulieferers Carl Dan. Peddinghaus GmbH & Co. KG erworben. Das deutsche Traditionsunternehmen aus Ennepetal bei Düsseldorf - mit einem weiteren Standort in Daun - war im Dezember 2002 in die Insolvenz gegangen.Bharat Forge tätigt mit dem Kauf die erste Akquisition außerhalb Indiens. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt rund 50 Millionen Euro.

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Die Maschinenbaugruppe Ingersoll International, die im April 2003 Insolvenz anmelden musste, hat ihre deutsche Tochtergesellschaft Ingersoll Maschinen und Werkzeuge GmbH an die Siegener Maschinenfabrik Herkules verkauft.Die Transaktion erfolgte im Rahmen einer Auktion, der Kaufpreis belief sich auf 36 Millionen Euro. Durch den Zusammenschluss entsteht einer der wichtigsten Hersteller von Walzenbearbeitungs- und Großfräsmaschinen mit etwa 1.800 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von über 200 Millionen Euro. (Ulrike Hümmer)

Insolvenzrecht

Einen in Deutschland bislang wohl einzigartigen Plan verfolgen die Insolvenzrechtler der Nürnberger Kanzlei Thorwart Zech & Partner und der Heilbronn-Dresdner Sozietät Pfefferle Koch Helberg & Partner. Mit der von beiden Kanzleien gegründeten "N.E.T.Z."-GmbH im Rücken wollen die drei Insolvenzverwalter Kerstin Jeska Zimmermann (43, Thorwart), Barbara Fritzer (40) und Horst Helberg (63, beide Pfefferle) gemeinsam Verfahren bearbeiten."Wir glauben, dass wir durch N.E.T.Z. in der Lage sind, die in beiden Kanzleien vorhandenen Erfahrungen und Ressourcen zu bündeln und zukünftig stärker vor den Gerichten und am Markt aufzutreten", erklärte Kerstin Jeska-Zimmermann gegenüber JUVE. Zusammengenommen habe man bislang mehr als 1000 Verfahren abgewickelt und sei nun besser als zuvor im Stande, neben kleinen Verfahren und Verbraucherinsolvenzen auch große, bundesweite Unternehmensinsolvenzen zu bearbeiten. "Wir werben momentan gemeinsam vor Gericht mit unserem breiten Dienstleistungsangebot", sagte Jeska-Zimmermann.

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Die Extra Aircraft L.P. mit Sitz in Brentwood, Tennessee, hat die Kunstflugsparte der Extra Flugzeugbau GmbH übernommen. Über das Vermögen des Hünxer Flugzeugbauers war Ende Januar 2003 das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Die Transaktion wurde nun mit dem Insolvenzverwalter im Rahmen eines Asset Deals abgewickelt. Produktion und Vertrieb der Kunstflug-Flugzeuge übernimmt eine neugegründete Tochtergesellschaft der Extra Aircraft. Zusätzlich hat der Investor eine separate Option mit zehnmonatiger Ausübungsfrist über die Reiseflugzeugsparte des Unternehmens. Berater Extra Aircraft L.P.

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Der Konzertveranstalter Deutsche Entertainment AG (DEAG) hat mit einer Kombination aus Kapitalerhöhung und Forderungsverzicht seiner Hausbanken sein Sanierungskonzept auf den Weg gebracht. Nötig geworden waren die Maßnahmen unter anderem durch die Insolvenz des Tochterunternehmens Stella. Insgesamt entstanden in den ersten drei Quartalen 2003 Sanierungskosten in Höhe von 1,1 Millionen Euro. Im Rahmen der Kapitalerhöhung wurden 4,58 Millionen neue Aktien zu 2,33 Euro sowie eine Wandelanleihe über fünf Millionen Euro begeben. Begleitet wurden die Maßnahmen von der Emissionsbank VEM Aktienbank. Als Garantiegeber fungierte die KTG-Beteiligungsgesellschaft, die allerdings wegen des großen Interesses auf Seiten der institutionellen Anleger nur in geringem Umfang zum Zug kam. Einer der großen Investoren war die Auric Gruppe. Insgesamt flossen der DEAG 15 Millionen Euro an neuen Mitteln zu. Beratung DEAG

Beru AG

Der Insolvenzverwalter und Seniorpartner von Wellensiek Grub & Partner, Dr. Volker Grub (66), zieht zum Ende des Geschäftsjahres (31. März) in den Aufsichtsrat des Autozulieferers Beru AG ein. Hintergrund ist die Neubesetzung des Gremiums: Der Finanzinvestor Carlyle, mit 37 Prozent größter Aktionär von Beru, will auf diesem Weg offensichtlich seinen Einfluss in dem Unternehmen stärken.Neben Grub soll als weiterer neuer Aufsichtsrat der Managing Director von Carlyle, Gregor Böhm, bestellt werden. Dafür treten der jetzige Chef Gerhard Wacker und Aufsichtsrat-Mitglied Winfried Witte zurück.

Haarmann Hemmelrath

Nach zahlreichen Partner-Abgängen in den vergangenen Monaten (JUVE berichtete) muss Haarmann Hemmelrath einen weitereren Rückschlag verkraften: Die beiden Leiter der Praxisgruppe Insolvenz und Sanierung, die Haarmann-Partner Michael Thierhoff (48) und Thomas Illy (41), verlassen Ende Januar zusammen mit drei Leipziger Sozien die Kanzlei und eröffnen eine Insolvenzboutique. "Haarmann Hemmelrath wird immer noch vor allem als Steuerberatungs- und Anwaltskanzlei gesehen. Das Geschäftsfeld Insolvenz wurde aus unserer Sicht weder von außen ausreichend wahrgenommen noch von Haarmann-Seite deutlich genug präsentiert", schilderte Illy ein wichtiges Motiv für den Schritt in die Selbstständigkeit. Zudem sei das "Produkt Insolvenz und Sanierung in eigenem Hause nicht ganz einfach", obwohl der Bereich "in einem sich ansonsten konsolidierenden Umfeld bei Haarmann stetig gewachsen ist".

Lieser, Rombach & Kollegen, eine der 15 meistbeschäftigten Insolvenzverwalterpraxen Deutschlands, hat sich in zwei Teile gespalten. Am Stammsitz in Koblenz macht das Team um den 38-jährigen Jens Lieser und seinen Vater, den Gründer der Kanzlei, Albert Lieser (66) in eigenem Büro weiter. In Erfurt setzt Rolf Rombach (50) seine Arbeit in kleinerer Konstellation fort. Seit Anfang des Jahres firmiert man in Koblenz unter Lieser Rechtsanwälte. Die Praxis, eine der dominierenden Insolvenz-Größen in Rheinland-Pfalz, ist seit rund 40 Jahren vor Ort tätig. Jens Lieser gehörte 2003 laut Statistik des Branchenverlags 'rws' mit 41 Unternehmensinsolvenzen zu den 50 führenden Verwaltern hierzulande. Er wird unter anderem in Koblenz, Montabaur und Neuwied bestellt. Liesers zuletzt größtes Verfahren war im Oktober 2003 die Bestellung zum Verwalter der Leininger Textil GmbH (Neuwied) mit ehemals mehr als 100 Arbeitnehmern bei einem Jahresumsatz von 10 Millionen Euro.

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Ein „bisschen frustrierend“ sei das schon, sagt DR. DIRK ANDRES. Da rette man an anderem Ort Dutzdende von Arbeitsplätzen, aber kaum einer nehme Notiz davon. Wird man aber in einen Sportverein gerufen, schaut alle Welt und sagt: Der muss es jetzt richten. So geschieht es derzeit in Hagen. Andres, Partner der von seinem Vater gegründeten, alteingessenen Düsseldorfer Kanzlei ANDRES & SCHNEIDER, ist Mitte Dezember 2003 als vorläufiger Verwalter beim bisherigen Basketball-Bundesligisten BRANDT HAGEN vom dortigen Amtsgericht eingesetzt worden. "Im Gegensatz zu anderen Insolvenzen ist eine ordnungsgemäße Liquiditätsplanung hier nicht vorhanden", gibt sich Andres angesichts des verplanten Budgets verwundert. Den Spielbetrieb der ersten Mannschaft mußte er daher bereits nach einem Heimspiel gegen Würzburg einstellen und überlegt jetzt einen Neustart für die Jugend- und Amateurabteilung, plant zudem, das – nun in die zweite Liga abgestiegene – Team in eine eigene Gesellschaft auszulagern. Mit wem es sportlich weitergehen soll, ist allerdings fraglich: Die Belegschaft besteht bei Brandt Hagen fast ausschließlich aus Basketball-Profis, drei Trainern und der Geschäftsführung – die meisten haben bereits andere Vereine im In- und Ausland gefunden. „Das ist anders als der Arbeiter, der 30 Jahre für eine Firma malocht hat und dann vielleicht auf der Straße steht“, sagt Andres – aber dafür hat es der Mittdreißiger mit Brandt Hagen jüngst auf die erste Sportseite der ‚Süddeutschen Zeitung’ gebracht...++++ Nicht viel besser sieht es derzeit in Leipzig, genauer bei den Kickern des VFB LEIPZIG, aus. Ebenfalls im Dezember vergangenen Jahres hat der Verein Insolvenz anmelden müssen – zum zweiten Mal übrigens. Vor rund drei Jahren hat sich Andres’ Vater Winfried hier die Zähne ausgebissen. Jetzt hofft der Leipziger Verwalter FRIEDBERT STRIEWE (STRIEWE & PARTNER) auf mehr Glück. Die Sache scheint aber schwierig zu werden. Während VfB-Präsident und Mäzen Reinhard Bauernschmidt immer noch hofft, die Insolvenzeröffnung abwenden zu können und ständig mit neuen Finanzierungsvorschlägen und ausländischen Investoren an die Presse tritt, glaubt Striewe, dass eine Sanierung etwa mit einem Insolvenzplan der beste Weg für den Verein wäre. Er rechnet daher mit einer Verfahrenseröffnung im Februar – und hat sich schon mal für die Zukunft gerüstet. „Die Budgets waren unter der jetzigen Vereinsführung immer überzogen worden, da hat auch die erste Insolvenz keine Einsicht gebracht“, sagt Striewe. Er hat sich daher aus seiner alten Heimat Freiburg im Breisgau vom dortigen Bundesliga-Klub SC erst mal die Satzung kommen lassen. „Das gehört zwar nicht direkt zu meinen Aufgaben“, bekennt der Verwalter, „aber ich wollte mal sehen, wie ein professionell geführter Fußballverein funktioniert.“ ++++

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Grévin et Cie., eine 100-prozentige Tochter der börsennotierten französischen Companie des Alpes, hat das sauerländische Freizeitgelände 'Panoramapark' von der Schulte-Wrede-Gruppe erworben. Der Asset-Deal, der über die deutsche Tochter von Grévin abgewickelt wurde, soll Anfang 2004 wirksam werden. Schulte-Wrede, die noch weitere Vergnügungsanlagen betreibt, hatte im November vorübergehend Insolvenz anmelden müssen. Berater Grévin