Insolvenzen

Prävention war gestern

Der Corona-Virus stellt den Fahrplan für Änderungen am deutschen Insolvenzrecht auf den Kopf. Die drastischen Auswirkungen auf die Wirtschaft haben das Justizministerium veranlasst, eine Krisenanpassung vorzunehmen, die nicht zu dem in Arbeit befindlichen Reformpaket inklusive präventiver Restrukturierung gehört. Vielen in der Sanierungsszene gehen die angekündigten Schritte nicht weit genug.

Fertiggerichte

Der Tiefkühlkosthersteller Geti Wilba aus Bremervörde hat Insolvenz angemeldet. Dr. Christoph Morgen von Brinkmann & Partner wurde vom Amtsgericht Stade als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Die Suche nach Investoren hat begonnen.

  Juve Plus Ex-Meinl Bank in Konkurs

Ohne Banklizenz kein Geschäft – da kommt die Pleite der Anglo Austrian AAB Bank wenig überraschend. Am Montag stellte die ehemalige Meinl Bank einen Insolvenzantrag beim Handelsgericht Wien. Sie ist mit mindestens 97 Millionen Euro überschuldet.

Eigenverwaltung

Pluradent, der größte deutsche Dentalhändler in Familienbesitz, hat Ende Februar Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Rund 800 Mitarbeiter sind betroffen. Neben dem Verfahren in Offenbach wurde für die GLS Logistik, eine der Tochtergesellschaften, ein weiteres Verfahren am Amtsgericht Kassel eingeleitet.

Textilinsolvenz

Bereits Anfang des Monats haben die Gesellschaften der Mensing-Gruppe beim Amtsgericht Essen Insolvenzanträge gestellt. Die Verfahren laufen in Eigenverwaltung ab, bei der das bestehende Management im Amt bleiben kann.

  Juve Plus Holzmaschinen

Der Spezialmaschinenbauer Heinrich Kuper in Rietberg bei Gütersloh hat aus der Insolvenz heraus einen Investor gefunden. Der Käufer, Sohn des Firmengründers, übernahm den Hersteller von Holzbearbeitungsmaschinen zu Jahresbeginn und erhält so knapp 190 Arbeitsplätze.

Dieselkrise

Auto Wichert, einer der größten Autohändler im Markenverbund des Volkswagen-Konzerns, hat ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Rund 1.400 Mitarbeiter an 23 Standorten in Hamburg und Umgebung sind betroffen. Die Hamburger Görg-Partner Prof. Dr. Gerrit Hölzle und Dr. Thorsten Bieg stiegen als Restrukturierungsgeschäftsführer ein. Vorläufiger Sachwalter ist der White & Case-Partner Dr. Sven-Holger Undritz.

Fintyre

Insgesamt 16 deutsche Tochtergesellschaften des britischen Reifenhändlers Fintyre haben Insolvenz angemeldet. Die einzelnen Verfahren laufen als Gruppeninsolvenz beim Amtsgericht Frankfurt ab. Das Gericht bestellte Miguel Grosser von Jaffé als vorläufigen Insolvenzverwalter. Die Suche nach Investoren hat begonnen.

Insolvenzrecht

Die gute wirtschaftliche Lage in Österreich hat für Restrukturierungsberater und Insolvenzverwalter wenig Positives: Es gab so wenige Verfahren wie noch nie, die Zahl der Firmeninsolvenzen stagnierte und die Passiva gingen sogar deutlich zurück. Doch viele Praxen haben sich darauf eingestellt und setzen auf die lukrative vorinsolvenzrechtliche Beratung.

Automobilzulieferer

Der schwäbische Automobilzulieferer Schweizer Group hat erneut Insolvenz angemeldet. 14 Monate nach dem ersten Verfahren bestellte das Amtsgericht Göppingen Marcus Winkler von BBL Bernsau Brockdorff zum Insolvenzverwalter. Auch die Übernahme durch den US-Investor Marabek im Oktober 2019 brachte keine längerfristige Lösung für das Traditionsunternehmen.

München

Die süddeutsche Kanzlei Loserth Zehentner & Partner hat sich für die Gründung eines neuen Standortes Verstärkung geholt: Gleich drei Insolvenzverwalterinnen sind zum Januar von der Regionalkonkurrentin Füchsl Berg-Grünenwald zur Kanzlei gewechselt und haben für diese ein neues Büro in München eröffnet.