Insolvenzen

Haarmann Hemmelrath

Nach zahlreichen Partner-Abgängen in den vergangenen Monaten (JUVE berichtete) muss Haarmann Hemmelrath einen weitereren Rückschlag verkraften: Die beiden Leiter der Praxisgruppe Insolvenz und Sanierung, die Haarmann-Partner Michael Thierhoff (48) und Thomas Illy (41), verlassen Ende Januar zusammen mit drei Leipziger Sozien die Kanzlei und eröffnen eine Insolvenzboutique. "Haarmann Hemmelrath wird immer noch vor allem als Steuerberatungs- und Anwaltskanzlei gesehen. Das Geschäftsfeld Insolvenz wurde aus unserer Sicht weder von außen ausreichend wahrgenommen noch von Haarmann-Seite deutlich genug präsentiert", schilderte Illy ein wichtiges Motiv für den Schritt in die Selbstständigkeit. Zudem sei das "Produkt Insolvenz und Sanierung in eigenem Hause nicht ganz einfach", obwohl der Bereich "in einem sich ansonsten konsolidierenden Umfeld bei Haarmann stetig gewachsen ist".

Lieser, Rombach & Kollegen, eine der 15 meistbeschäftigten Insolvenzverwalterpraxen Deutschlands, hat sich in zwei Teile gespalten. Am Stammsitz in Koblenz macht das Team um den 38-jährigen Jens Lieser und seinen Vater, den Gründer der Kanzlei, Albert Lieser (66) in eigenem Büro weiter. In Erfurt setzt Rolf Rombach (50) seine Arbeit in kleinerer Konstellation fort. Seit Anfang des Jahres firmiert man in Koblenz unter Lieser Rechtsanwälte. Die Praxis, eine der dominierenden Insolvenz-Größen in Rheinland-Pfalz, ist seit rund 40 Jahren vor Ort tätig. Jens Lieser gehörte 2003 laut Statistik des Branchenverlags 'rws' mit 41 Unternehmensinsolvenzen zu den 50 führenden Verwaltern hierzulande. Er wird unter anderem in Koblenz, Montabaur und Neuwied bestellt. Liesers zuletzt größtes Verfahren war im Oktober 2003 die Bestellung zum Verwalter der Leininger Textil GmbH (Neuwied) mit ehemals mehr als 100 Arbeitnehmern bei einem Jahresumsatz von 10 Millionen Euro.

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Ein „bisschen frustrierend“ sei das schon, sagt DR. DIRK ANDRES. Da rette man an anderem Ort Dutzdende von Arbeitsplätzen, aber kaum einer nehme Notiz davon. Wird man aber in einen Sportverein gerufen, schaut alle Welt und sagt: Der muss es jetzt richten. So geschieht es derzeit in Hagen. Andres, Partner der von seinem Vater gegründeten, alteingessenen Düsseldorfer Kanzlei ANDRES & SCHNEIDER, ist Mitte Dezember 2003 als vorläufiger Verwalter beim bisherigen Basketball-Bundesligisten BRANDT HAGEN vom dortigen Amtsgericht eingesetzt worden. "Im Gegensatz zu anderen Insolvenzen ist eine ordnungsgemäße Liquiditätsplanung hier nicht vorhanden", gibt sich Andres angesichts des verplanten Budgets verwundert. Den Spielbetrieb der ersten Mannschaft mußte er daher bereits nach einem Heimspiel gegen Würzburg einstellen und überlegt jetzt einen Neustart für die Jugend- und Amateurabteilung, plant zudem, das – nun in die zweite Liga abgestiegene – Team in eine eigene Gesellschaft auszulagern. Mit wem es sportlich weitergehen soll, ist allerdings fraglich: Die Belegschaft besteht bei Brandt Hagen fast ausschließlich aus Basketball-Profis, drei Trainern und der Geschäftsführung – die meisten haben bereits andere Vereine im In- und Ausland gefunden. „Das ist anders als der Arbeiter, der 30 Jahre für eine Firma malocht hat und dann vielleicht auf der Straße steht“, sagt Andres – aber dafür hat es der Mittdreißiger mit Brandt Hagen jüngst auf die erste Sportseite der ‚Süddeutschen Zeitung’ gebracht...++++ Nicht viel besser sieht es derzeit in Leipzig, genauer bei den Kickern des VFB LEIPZIG, aus. Ebenfalls im Dezember vergangenen Jahres hat der Verein Insolvenz anmelden müssen – zum zweiten Mal übrigens. Vor rund drei Jahren hat sich Andres’ Vater Winfried hier die Zähne ausgebissen. Jetzt hofft der Leipziger Verwalter FRIEDBERT STRIEWE (STRIEWE & PARTNER) auf mehr Glück. Die Sache scheint aber schwierig zu werden. Während VfB-Präsident und Mäzen Reinhard Bauernschmidt immer noch hofft, die Insolvenzeröffnung abwenden zu können und ständig mit neuen Finanzierungsvorschlägen und ausländischen Investoren an die Presse tritt, glaubt Striewe, dass eine Sanierung etwa mit einem Insolvenzplan der beste Weg für den Verein wäre. Er rechnet daher mit einer Verfahrenseröffnung im Februar – und hat sich schon mal für die Zukunft gerüstet. „Die Budgets waren unter der jetzigen Vereinsführung immer überzogen worden, da hat auch die erste Insolvenz keine Einsicht gebracht“, sagt Striewe. Er hat sich daher aus seiner alten Heimat Freiburg im Breisgau vom dortigen Bundesliga-Klub SC erst mal die Satzung kommen lassen. „Das gehört zwar nicht direkt zu meinen Aufgaben“, bekennt der Verwalter, „aber ich wollte mal sehen, wie ein professionell geführter Fußballverein funktioniert.“ ++++

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Grévin et Cie., eine 100-prozentige Tochter der börsennotierten französischen Companie des Alpes, hat das sauerländische Freizeitgelände 'Panoramapark' von der Schulte-Wrede-Gruppe erworben. Der Asset-Deal, der über die deutsche Tochter von Grévin abgewickelt wurde, soll Anfang 2004 wirksam werden. Schulte-Wrede, die noch weitere Vergnügungsanlagen betreibt, hatte im November vorübergehend Insolvenz anmelden müssen. Berater Grévin

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Die Hamburger Nobis-Gruppe hat Anfang Dezember 2003 den insolventen Gebäudereiniger Intercare übernommen. Im Rahmen einer übertragenden Sanierung gingen zwei Intercare-Firmen in Hamburg und Berlin über. Für beide Gesellschaften war im vorigen Oktober beim Amtsgericht Hamburg Insolvenzantrag gestellt worden. Damit sind die Arbeitsplätze von insgesamt rund 2.100 großteils geringfügig Beschäftigten vorerst gesichert. Die Dienstleistungsgruppe Nobis ist neben dem Bereich der industriellen Gebäudereinigung auch im Sicherheitssektor aktiv. Berater Nobis

Insolvenzkanzlei

Entscheidender Umbruch bei der erst vor kurzem entstandenen Insolvenzkanzlei hww Hess Wienberg Wilhelm: Ende des vergangenen Jahres hat der bisherige Namensgeber und ursprüngliche Kanzleigründer Dr. Harald Hess (61) die Sozietät verlassen und sich in Mainz und an weiteren Standorten als Hess & Partner selbstständig gemacht. Die Trennung erfolgte nur ein Jahr nach der Fusion der Hamburger Kanzlei Brandenburg & Wilhelm mit der Mainz-Dresdner Konstellation Hess, Wienberg, Freund & Partner. Hess teilte mit, er löse „wegen unüberwindlicher Differenzen in der strategischen Ausrichtung der Kanzlei die Partnerschaft mit hww auf“.

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... einem Unternehmen waren in den vergangenen Monaten die Amtsgerichte Potsdam und Halle-Saalkreis. Die Richter mussten prüfen, ob sie für den Insolvenzantrag des Familienbetriebs HESCO zuständig waren. Das Problem: Bei Hesco aus dem brandenburgischen Luckenwalde wurden die Arbeitnehmer entlassen, die Firma sollte geschlossen, beim Handelsregister abgemeldet, ihr Sitz ins sachsen-anhaltinischen Horla verlegt und Insolvenz angemeldet werden, während gleichzeitig eine neue bzw. die alte Firma in Luckenwalde neu gegründet wurde. Kompliziert? Vielleicht. Doch so hatte es sich die Unternehmerfamilie Reiche laut IG Metall wohl vorgestellt, ihren Betrieb abzuwickeln und gleichzeitig neu zu starten. Die Richter in Halle machten das Spiel aber nicht mit und erklärten sich für den Insolvenzantrag über die nach Horla verlegte (alte?) Firma nicht zuständig. Dies ist wohl kein Einzelfall in Deutschland, aber er ist besonders brisant. Schließlich steht hinter der Familie Reiche unter anderem die CDU-Bundestagsabgeordnete Katharina Reiche, die mal als Familienministerin gehandelt wurde. Und schließlich wurden knapp eine Millionen Euro staatliche Fördergelder vergeben, die eigentlich zu anderen Dingen als dem Verschieben von Betrieben dienen. In Potsdam jedenfalls wurde ROLF RATTUNDE (LEONHARDT & PARTNER) zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Endlich. Der ursprüngliche Antrag war bereits im August gestellt worden, doch die Suche nach Zuständigkeiten und Hintergründen dauerte rund drei Monate. Was der gut angesehene Berliner Verwalter Rattunde nun vorhat, wollte er JUVE nicht verraten. Zu brisant, das Ganze.++++ Überhaupt: An brisanten Insolvenzen herrscht in diesen Wochen kein Mangel. Das mit Abstand sensibelste Verfahren liegt bereits seit 10. November 2003 in den Händen von ANGELIKA AMEND. Die 42-jährige Betreiberin der Kronberger Kanzlei AMEND & COLLEGEN versucht seitdem als vorläufige Verwalterin die Insolvenz der I.G. FARBENINDUSTRIE AG und dreier Tochter- bzw. Enkelgesellschaften in ruhigem Fahrwasser zu halten. Eigentlich reicht die Masse des ehemals größten Chemiekonzerns gar nicht aus, um die Insolvenzverwaltung zu bezahlen. Dass das Verfahren deshalb nicht eröffnet würde, will Amend jedoch verhindern – mit Blick auf die Opfer und Hinterbliebenen des Unternehmens, das im Dritten Reich Zwangsarbeiter beschäftigte und das Gas Zyklon B für Konzentrationslager herstellte. Anfang Dezember war Amend deshalb nach Auskunft ihres Kollegen Norbert Irsfeld im Gespräch mit Opferverbänden. Das Ziel: Auch die Zwangsarbeiter und Nachkommen sollen aus dem Restvermögen der I.G. Farben entschädigt werden, dafür müssten sie und andere Geld aufbringen, das die Verfahrenskosten deckt. Dafür würde auch Amend auf einen Teil ihrer Vergütung verzichten. Die bundesweite Aufmerksamkeit, die diese Insolvenz erregt, rechtfertigt sicherlich außergewöhnliche Maßnahmen – zudem Amends Kanzlei-Fokus ebenfalls, wenn (noch) nicht bundesweit, so doch wenigstens über die Grenzen des Großraumes Frankfurt hinaus gerichtet ist. Die Kanzlei, in der in Kronberg mitterweile sieben Anwälte tätig sind, hat vor kurzer Zeit ein zweites Büro in Garching bei München eröffnet. Hier werden derzeit zwei Anwälte beschäftigt. ++++

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Beinahe hätte man die Zeiten schon wieder vergessen: Vor vier Jahren wurde Köln regelrecht bombardiert - mit kostenlosen Tageszeitungen. Was als Kampf um die Leser immer groteskere Formen angenommen und als 'Kölner Zeitungskrieg' landauf und landab die Medienseiten der restlichen Presse gefüllt hatte, beschäftigte kürzlich auch den Bundesgerichtshof. Die

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Der Insolvenzverwalter von KirchMedia, Dr. Michael Jaffé (Jaffé & Kollegen), fordert vom Handelskonzern Rewe 128 Millionen Euro plus 1,6 Millionen Euro Zinsen. Zunächst wurde eine Teilklage über 20 Millionen Euro erhoben. Hintergrund: Der damalige Kirch-Aktionär Rewe hatte vor zwei Jahren Leo Kirch einen Kredit über 128 Millionen Euro gewährt, um Kirchs Einstieg in die Formel Eins-Fernsehübertragungen zu finanzieren. Leo Kirch bürgte persönlich und zahlte fristgerecht zurück.

Heussen

Dr. Klaus Großmann (39) hat wie erwartet (JUVE Online, 27.06.2003) PricewaterhouseCoopers Veltins (jetzt Heussen Rechtsanwälte) verlassen. Der Corporate-Anwalt geht als Partner zu der expansiven britischen Kanzlei Hammonds. Dass Großmann nicht bei PwCV bleiben würde, war bereits im Zuge der umfangreichen Restrukturierungen bei PwC Veltins anlässlich der Trennung von dem WP-Riesen PwC durchgesickert.

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Um die Möglichkeit, Unternehmen zukünftig nicht mehr erfolgreich sanieren zu können, fürchten derzeit die Standesvertreter der Insolvenzverwalter. Hintergrund: Die Bundesregierung muss die Insolvenzordnung (InsO) einer EU-Richtlinie anpassen, die der Stärkung des „Finanzplatzes Europa“ dienen soll. Die Gesetzesänderung sieht vor, Banken bei einer Firmenpleite zu bevorzugen. Nicht mehr der Insolvenzverwalter könnte über die Verwertung aller Güter eines Betriebes entscheiden, wenn eine Bank beschließt, bestimmte Gegenstände und Wertpapiere, an denen sie ein Sicherungsrecht hat, selbst zu veräußern. Umstritten ist, wie weit das Recht der Banken tatsächlich geht. Als Mitglied des Gravenbrucher Kreises warnte bereits im September DR. BRUNO M. KÜBLER (KÜBLER) davor, das geltende Insolvenzrecht werde „völlig durchlöchert“. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Insolvenzrecht beim Deutschen Anwaltverein, HORST PIEPENBURG, warnte: „Der DAV wird sich noch mal äußern“. Er geht davon aus, dass Gespräche mit dem Bundesjustizministerium und dem Bundesverband deutscher Banken geführt werden. Piepenburg sei nicht gegen die Anpassung der InsO an EU-Recht, „uns geht es um die Klarstellung des Wortlautes“.++++ Klarstellen kann Piepenburg (PIEPENBURG-GERLING RECHTSANWÄLTE) derweil wohl auch einiges bei der GIRMES GMBH, einem Hersteller hochwertiger Textilien in den Bereichen Bekleidung, Heim und Technik. Der Betrieb mit Stammsitz in Oedt (Kreis Viersen/Niederrhein) beantragte Anfang November beim Amtsgericht Krefeld Insolvenz. Zuvor war von spektakulären Umsatzeinbrüchen von 30 Prozent in diesem Jahr und einer Schuldenlast von 100 Millionen Euro die Rede. Der Düsseldorfer Verwalter Piepenburg aber machte den mehr als 1.200 Mitarbeitern, die 2002 noch 134 Millionen Euro umsetzten, Mut. Es werde zunächst ganz normal weiter gearbeitet. Für Piepenburg ist der Fall ein doppeltes Comeback: Der Verwalter kommt zurück in ein Unternehmen, dessen Konkurs als Aktiengesellschaft er bereits 1989 mit seinem damaligen Partner Dieter Zirpins begleitete, und aus dem die jetzt betroffene GmbH hervorgegangen war. Zudem hat Piepenburg mit dem Fall das erste wirklich große Verfahren seit seiner Interimstätigkeit als Vorstandsvorsitzender bei Babcock Borsig an Land gezogen. ++++