Insolvenzen

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Boris Becker soll für die Verluste seines insolventen Internetportals Sportgate AG aufkommen. Hartwig Albers, Insolvenzverwalter über das Vermögen von Sportgate, hat Becker auf die Zahlung von 1,5 Millionen Euro verklagt. In der mündlichen Verhandlung Mitte September vor dem LG München schlug der vorsitzende Richter einen Vergleich von 150.000 bis 300.000 Euro vor, der nicht zustande kam. Becker soll sich 2000 in einer Erklärung verpflichtet haben, Verluste von Sportgate bis zu 1,5 Millionen Euro auszugleichen. Das Gericht wird am 11. Dezember eine Entscheidung verkünden. Vertreter Boris Becker

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Was sich Anfang Oktober in der eleganten Cargolifter-Halle abspielte, hatte frappierende Ähnlichkeit mit einer Haushaltsauflösung. Der Aachener Insolvenzverwalter des abgestürzten Luftschiffbauers, PROF. DR. ROLF-DIETER MÖNNING (MÖNNING & GEORG), wollte alles unters Volk bringen,was ging - insgesamt 8.000 Einzelteile, von der Großmaschine bis zum Schredder. Klar war von vornherein, dass auch im Optimalfall nur ein Bruchteil der 120 Millionen Euro Schulden damit gedeckt würden, aber besser ein bisschen Quote als gar nichts. Die nagelneuen Wagen der Betriebsfeuerwehr gingen übrigens laut Presseberichten an den neuen Inhaber der Halle, der dort einen Urwaldpark installieren will - Lianen statt Luftschiffe.+++ Abgetaucht ist BALTIC SUBMARINE, bevor - wie beim großen Bruder Cargolifter - die Produktion richtig in Schwung kam. Das Rostocker Unternehmen wollte mit Touristen-U-Booten zu Wasser, stattdessen ging man schon vor Produktionsbeginn zunächst einmal baden. Im Portemonnaie fehlen 250.000 Euro, die ein privater Investor aufbringen wollte, der es sich dann aber anders überlegte. Das restliche Kapital hatten die Existenzgründer bereits zusammen. Der Vier-Mann-Betrieb wird jetzt von ULRIKE HOGE-PETERS aus der Frankfurter Kanzlei WALTER & WALTER verwaltet. Die vor allem im Hessischen eingesetzte Verwalterin und ihre Kanzlei verfügen auch über ein Büro im Ostseebad Bad Doberan, was die Entscheidung des Amtsgerichts Rostock einigermaßen erklärlich machen dürfte. U-Boot-Kapitän und Geschäftsführer Jörn Lutat hält derweil Kurs und verhandelt mit möglichen neuen Geldgebern. Ob er noch einmal zum Luftholen auftauchen wird, weiß er nicht aber: "Wir hoffen natürlich." +++

  Juve Plus Mannheimer Lebensversicherung

Beinahe hätte es die erste Insolvenz eines deutschen Versicherers gegeben. Nun sorgt die Mannheimer Lebensversicherung stattdessen für den ersten Einsatz der Protektor AG. Alle ihre Lebensversicherungsverträge, zusammen mit den zugehörigen Kapitalanlagen sind auf die Auffanggesellschaft übertragen worden. Für die Versicherungsnehmer soll sich rein gar nichts ändern, um das Vertrauen in die gesamte Branche nicht zu erschüttern. Die Restrukturierung und Sanierung der Mannheimer Holding mit den verbliebenen Sach- und Krankenversicherungssparten geht unterdessen weiter.

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Der Zweite Senat des Bundesarbeitsgerichts hat Mitte September die Betriebsstilllegung der Buss Kuhwerder Terminal GmbH im Hamburger Hafen gebilligt und die ausgesprochenen Kündigungen für rechtens erklärt. Geklagt hatten rund 60 der insgesamt 120 Mitarbeiter, bis zum BAG gelangten allerdings nur sechs Fälle. Das höchste deutsche Arbeitsgericht folgte nicht der von den Klägervertretern per Gutachten untermauerten Auffassung, dass die EU-Richtlinie zu Massenentlassungen bei der Buss-Restrukturierung nicht eingehalten worden sei. Die Urteilsbegründung steht noch aus, die Anwältin auf Klägerseite wollte daher für den Fall eine Vorlageerzwingung zum EuGH nicht ausschließen. Vertreter Buss

Linklaters New York

Das New Yorker Büro von Linklaters legt nach: Mit dem Insolvenzrechtler Martin Flics ist im September ein weiterer neuer Partner in die ursprünglich aus England stammende Kanzlei gewechselt. Der Einstieg erfolgte nur wenige Wochen, nachdem in New York ein größeres Team von Shearman & Sterling in die örtliche Linklaters Litigation-Praxis gekommen war.Martin Flics (48) wechselt von Latham & Watkins zu Linklaters, die in ihrer Insolvenzrechtspraxis laut "Legal Week" in New York namhafte Unternehmen wie General Electric, Deutsche Bank oder Lehman Brothers betreut. Damit konnte Linklaters in wenigen Monaten die Zahl der Partner in New York auf zwölf steigern.

  Juve Plus Insolvenzticker

Die häufigste Ursache für Unternehmensinsolvenzen, da ist sich die Fachwelt einig, sind Managementfehler. Kein Wunder, bei diesen Managern. Den Vogel abgeschossen hat Anfang September der 42-jährige Thorsten Duddeck. Der Inhaber eines Bochumer Herstellerbetriebs für Industriedichtungen wollte, so gibt er an, einer befreundeten Firma, die seine Dichtungen einbaut, zur Hilfe eilen. Da diese sich im Insolvenzverfahren befindet, beschloss Duddeck, die ausstehenden Löhne der 35 Mitarbeiter zu übernehmen. Zu blöd nur, dass er die 100.000 Euro, die er dem Insolvenzverwalter mit dem Auto vorbeibringen wollte, bar in seiner Aktentasche transportierte. Zu blöd auch, dass er ausgerechnet diese Aktentasche auf dem Dach seines Pkws lagerte und vergessen hatte, das Geld dort herunter zu nehmen, als er wieder auf die Autobahn fahren wollte. Auf dem Beschleunigungsstreifen der Auffahrt war es dann geschehen: Um das Geld, um die Pleite-Firma - und um den Ruf der deutschen Manager.

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Eines der größten Amtshaftungsverfahren der letzten 50 Jahre bringen die Nachwehen der Flowtex-Affäre mit sich. Über eine Milliarde Euro verlangt die Schadensverfolgungsgemeinschaft Flowtex GbR von der Finanzverwaltung des Landes Baden-Württemberg und reichte Klage beim LG Karslruhe ein. Die Gemeinschaft besteht aus Gläubigern und Insolvenzverwaltern der insolventen Flowtex Technologie GmbH & Co. KG. Laut Kläger hat die Finanzverwaltung das Betrugssystem der Flowtex-Verantwortlichen schon 1996 erkannt, sei aber nicht eingeschritten. Eine Folge sei u.a. gewesen, dass den Gläubigern erheblicher Schaden entstanden sei, bis der Betrug Anfang 2000 schließlich beendet wurde. Nach Ansicht der Vertreter des Bundeslandes ist die Klage u.a. deshalb unberechtigt, weil generell die Amtspflichten der Beamten keinen Anspruch Dritter begründen könnten. Berater Schadensgemeinschaft

Der bisherige Frankfurter Partner von Clifford Chance Pünder, Dr. Volker Kammel, ist seit 1. September 2003 Equity-Partner bei Jones Day. Der 39-Jährige war einer der renommiertesten Anwälte im Bereich Insolvenzrecht und Restrukturierungen von Clifford Chance Pünder (CCP) und wird auch unter Insolvenzverwaltern geschätzt. Er galt als dritter Mann hinter den älteren Partnern Heinz-Günter Gondert und Kolja von Bismarck in der starken CCP-Restrukturierungspraxis.

Der Hamburger Insolvenzverwalter Uwe Kassing (43) verlässt Ende Oktober Haarmann Hemmelrath: Er wird ab 1. November 2003 eine Insolvenzverwaltungs-Boutique in der Hansestadt eröffnen und will zunächst an den norddeutschen Gerichten tätig bleiben, bei denen er auch bislang schon bestellt wurde. Kassing, zuletzt Sozius (Non-Equity-Partner) bei Haarmann und seit 1999 Mitglied der Sozietät, sieht die Zukunft des Insolvenzverwaltergeschäfts in der "Insolvenzverwaltung pur", also ohne Beratung oder angeschlossene Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. "Diese Ausrichtung ist bei Haarmann Hemmelrath verständlicherweise nicht gewollt", sagte Kassing. Er plane daher zusammen mit auf Arbeitsrecht spezialisierten 40-jährigen Haarmann-Sozius Dr. Albert Nehls, eine eigene Anwaltskanzlei zu gründen. Zudem werde er eine weitere Gesellschaft für Insolvenz- und Treuhandverwaltung gründen.

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Kennen Sie Manfred Göbels? Nein? Ist auch nicht schlimm. Göbels, Mitglied der erweiterten Führung von DaimlerChrysler und im Aufsichtsrat des Unternehmens, ist in seiner Freizeit Vorsitzender des Deutschen Führungskräfteverbandes (ULA). Und in dieser Eigenschaft wettert er über die Pläne des Bundeswirtschaftsministers, die Auszahlung des Insolvenzgeldes auf Höhe der Beitragsbemessungsgrenze von 5.100 Euro zu beschränken. Er sieht seine Klientel, die „Leistungsträger“, erneut als „Zahlmeister des Sozialstaates“, wenn sich Rot-Grün durchsetzt.Göbels scheint ziemlich allein auf weiter Flur. Denn die Pläne werden sonst in Kreisen der Wirtschaft begrüßt. So sprach der DIHK von einem „ersten Schritt“.

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"Mit dem Institut der Eigenverwaltung tun sich sich die meisten Gerichte noch schwer". Das sagt Ludger Westrick, und der muss es wissen. Geplant hatte der Bonner Insolvenzverwalter, Ende Juni 2003 zum Krisen-Geschäftsführer von Bouvier-Gonski berufen, den Großbuchhändlers als Eigenverwalter durch die Insolvenz zu führen. Doch ähnlich wie wenige Wochen zuvor bei Grundig machte dabei das Gericht nicht mit. Die Richterin berief Dr. Bruno Kübler zum vorläufigen Verwalter. Und Kübler, einer der bekanntesten, umtriebigsten und umstrittensten Vertreter seiner Zunft, ließ es sich nicht nehmen, sich Anfang Juli vom Gericht zum sogenannten starken Verwalter machen zu lassen - und damit die Kompetenzen von Westrick auf ein Minimum zusammenzustreichen.