Legal Tech und Legal Operations

Kommentar zu Legal Tech

Ja, der Hype ist riesig. Seit gut zwei Jahren spricht die Juristenbranche von Legal Tech – und inzwischen haben die meisten Inhouse-Counsel erkannt, dass diese Entwicklung nicht an ihnen vorbeigehen wird. Und dass sie Legal-Tech-Tools einsetzen müssen. Aber wie und warum eigentlich? Das ist vielen Rechtsabteilungen völlig unklar, wie eine amerikanische Umfrage unter Unternehmensjuristen ergab.

Der Wille ist da, aber

Jede dritte Rechtsabteilung setzt im Arbeitsalltag bereits künstliche Intelligenz ein oder ist dabei, ein entsprechendes Legal-Tech-Tool auszuprobieren. Jede fünfte Rechtsabteilungen hat sich hingegen bislang kaum oder noch gar nicht mit diesem Thema befasst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des amerikanischen Beratungsunternehmens HBR Consulting, der Antworten von 35 Rechtsabteilungen zugrunde liegen. Die meisten dieser Rechtsabteilungen gehören zu Unternehmen aus der Gruppe der 500 umsatzstärksten Firmen der Welt.

Interview mit Fieldfisher

Der IP- und Medienrechtler Philipp Plog gehörte 2007 zum Startteam von Fieldfisher in Deutschland. Die 2016 ausgerufene Expansionstrategie der Kanzlei begleitet er als Managing-Partner vom Hamburger Büro aus.

Kanzleien zu Legal Tech

Vor wenigen Jahren war Legal Tech nur ein Schlagwort. Eine Worthülse, die man nutzte, um sich innovativ und modern zu geben. Oder über die man hinweg lächelte. Die Diskussion schwankte zwischen Panikmache – „Wir werden alle unsere Jobs verlieren!“ und Ignoranz – „Das kommt aus Amerika und geht uns nichts an“. Inzwischen ist die Digitalisierung der Arbeit in den deutschen Wirtschaftskanzleien angekommen. Und die Stimmungslage ist verhalten optimistisch. Das hat eine JUVE-Umfrage ergeben, an der im Januar 2018 über 200 Wirtschaftskanzleien teilnahmen.

Neue Struktur

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat den Umbau ihrer Rechtsabteilung abgeschlossen. Chefjurist Dr. Karsten Hardraht besetzte zum Abschluss der Neustrukturierung weitere Leitungsposten neu.

Neugründung

Holger Scheer (45), Leiter der Private-Equity-Praxis von Norton Rose Fulbright, verlässt die Kanzlei und gründet eine Boutique für Transaktionsberatung. Die Kanzlei wird unter dem Namen Skye Partners firmieren und zum Februar 2018 an den Start gehen. Zum Gründungsteam gehören außer Scheer der gegenwärtige Counsel bei Norton Rose, Christoph Breithaupt, und zwei Associates von Norton Rose. Breithaupt wird als Partner bei Skye einsteigen.

Von wegen digital

Alle reden von Digitalisierung. Doch auch wenn viele einen Hype wittern und darauf verweisen, dass Legal Tech im anwaltlichen Berufsalltag (noch) in keinem Verhältnis zu seinem tatsächlichen Nutzen steht: Die meisten Kanzleien wollen ihr digitales Repertoire erweitern, weil sie fürchten, den Bedürfnissen der immer preis- und selbstbewussteren Mandanten auf Dauer nicht mehr gerecht werden zu können. Also entwickeln viele eigene Programme und Tools, um Arbeitsprozesse bald digitalisieren zu können. Besonders weit sind die meisten noch nicht gekommen.

Legal Tech

Tom Brägelmann (45) hat zum September die Position des General Counsel bei dem Berliner Legal-Tech-Unternehmen Leverton übernommen. Der Restrukturierungsexperte kam von DLA Piper, wo er zuletzt als Senior Associate tätig war.

Abgehoben

Guter Rat ist teuer – vor allem für US-Unternehmen. Sie geben von jedem Umsatzdollar 0,4 Prozent für die in- und externe Rechtsberatung aus. Unternehmen aus anderen Ecken der Welt kommen auf einen Durchschnitt von 0,15 Prozent. Oder anders: Für US-Firmen liegen die Kosten um 166 Prozent höher. Und das bekommt auch jedes andere Unternehmen zu spüren, das in den Vereinigten Staaten Rechtsrat suchen muss.

Interview zu Legal Tech

John Fernandez ist Leiter der Innovationsabteilung bei Dentons und globaler Vorsitzender der Nextlaw Labs. Bevor er zu Dentons kam, war Fernandez Bürgermeister von Bloomington, Indiana, sowie Senior-Vizepräsident und Partner bei der First Capital Investment Group. Vom Präsidenten Obama nominiert und vom Senat bestätigt, war Fernandez beigeordneter Sekretär für Handel und wirtschaft­liche Entwicklung. Mit JUVE spricht über die Strategie seiner Kanzlei, früh in Start-ups zu investieren.

Fliegender Wechsel

Stephan Zilles wechselt Anfang November an die Spitze der Rechtsabteilung der Deutschen Lufthansa in Frankfurt. Der 47-Jährige leitet zurzeit den Bereich Recht, Compliance und Corporate Affairs bei der LSG Group. Zilles folgt auf Michael Niggemann (43), der den Posten des Chief Financial Officers bei Swiss übernimmt. Swiss gehört ebenfalls zur Lufthansa-Gruppe.