Kanzleiumsätze

Umsätze 2015

Den mittelständischen Wirtschaftskanzleien in Deutschland geht es gut – zumindest, wenn man ihre Zuwachsraten beim Umsatz betrachtet. Im Schnitt legten sie 2015 um 4,2 Prozent zu. Gemeinsam erwirtschafteten die größten von ihnen rund 950 Millionen Euro. Diese exklusive JUVE-Analyse berücksichtigt aber nur jene 34 Sozietäten, die ihr Geschäftsjahr zum 31.12. abgeschlossen und über 10 Millionen Euro verdient haben. Noch bemerkenswerter: Auch den Umsatz pro Berufsträger (UBT) konnten viele Kanzleien steigern. Die Folge ist ein neuer Rekord beim UBT-Durchschnittswert. Illustrieren lässt sich dies am besten am Beispiel von zwei größeren Einheiten.

Umsatz 2015

Noerr hat 2015 in ihren deutschen Büros 190,2 Millionen Euro umgesetzt, 6,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Dies erreichte sie mit rund 360 in Vollzeit tätigen Berufsträgern, rund fünf Prozent mehr als 2014. In Konsequenz konnte die Kanzlei ihre Produktivität deutlich geringer steigern als den Umsatz. Zu Buche steht ein Umsatz pro Berufsträger (UBT) von rund 530.000 Euro. Dies ist ein Plus von 1,7 Prozent.

Erneut rasant zugelegt

Die deutsche Praxis von Dentons hat ihren Umsatz im Geschäftsjahr 2015 auf 38 Millionen Euro gesteigert. Das bedeutet eine Zunahme um 19 Prozent. Es ist bereits das zweite Jahr in Folge, in dem der Umsatz der expansiven Sozietät hierzulande um einen zweistelligen Prozentwert wächst, 2014 hatte sie um 18 Prozent zugelegt.

Kommentar

Rainer Traugotts Wechsel von Linklaters zu Latham & Watkins ist erneut ein Coup für die US-Kanzlei. Und er belegt, dass sich Top-Kanzleien aus Großbritannien am Scheideweg befinden. So begann intern bei Linklaters unmittelbar nach Bekanntwerden von Traugotts Ausscheiden erneut die Diskussion um das Lockstep-System: Muss das strikte Vergütungsmodell gelockert werden, um den umsatzstärksten Partnern mehr zu zahlen, damit sie dem Lockruf des US-Dollars widerstehen? Doch die Bedrohung wird dies- und jenseits des Ärmelkanals unterschiedlich stark empfunden.

Frauenförderung

Immer noch gibt es in Wirtschaftskanzleien gefühlt mehr Frauenförderprogramme als Equity-Partnerinnen. Seit Jahren stagniert der Frauenanteil in der Partnerschaft bei unter zehn Prozent. Auch die aktuelle azur-Erhebung bei 78 Kanzleien, darunter 65 der 100 umsatzstärksten Sozietäten im deutschen Markt, belegt das Ungleichgewicht. Auf dem Weg nach oben stehen den Frauen vor allem Männer im Weg. Aber auch ein unklares Bild von der eigenen Rolle verhindert den Erfolg.

Steil aufwärts

Die deutschen Praxen von Hogan Lovells und White & Case haben das abgelaufene Geschäftsjahr 2015 jeweils mit einem kräftigen Umsatzplus abgeschlossen. Beide legten prozentual zweistellig zu. Auch ihre Produktivität steigerten beide Kanzleien um mehr als zehn Prozent.

Umsätze 2015

White & Case hat das Geschäftsjahr 2015 mit einem kräftigen Umsatzplus abgeschlossen: Rund 11,5 Prozent mehr als 2014 erwirtschafteten die fünf Büros hierzulande und kamen auf 126 Millionen Euro. Ihre Produktivität steigerte die deutsche Praxis sogar um 12,7 Prozent, jeder der 206 Vollzeit tätigen Berufsträger setzte rechnerisch 612.000 Euro um. Damit stellt die Kanzlei die bisherige Bestmarke beim Umsatz pro Berufsträger von 543.000 Euro aus dem Vorjahr deutlich in den Schatten.

Hogan Lovells

Die deutschen Hogan Lovells-Büros haben im abgelaufenen Geschäftsjahr den höchsten Umsatz seit der Fusion von Hogan & Hartson und Lovells 2010 eingefahren. Sie erwirtschafteten rund 160 Millionen Euro. Das sind gut 19 Millionen Euro und damit rund 13,6 Prozent mehr als 2014. Damit legte Hogan Lovells so deutlich zu wie bis dato keine andere Großkanzlei, deren Geschäftsjahr zum Kalenderjahr endet.

Umsatztrend für 2015

Die ersten Umsatzzahlen, die für 2015 aus den größten Wirtschaftskanzleien hierzulande bekannt werden, deuten auf ein neues Rekordjahr der Branche hin. Die Abstände zwischen den zehn umsatzstärksten Kanzleien werden dabei immer geringer. Nach einer weiteren kräftigen Steigerung rückt Heuking Kühn Lüer Wojtek erstmals unter die Top Ten vor, der Sprung von Noerr unter die Top 5 scheint nach einem ebenfalls klaren Plus greifbar.

Flaute am Jahresbeginn

Die 50 umsatzstärksten Sozietäten hierzulande haben zum Jahresbeginn 2016 deutlich weniger Anwälte aus den eigenen Reihen in ihre Equity-Partnerriegen aufgenommen als vor Jahresfrist. Dies ergab eine aktuelle JUVE-Umfrage. In den 28 Kanzleien, die aus dem Kreis zum Januar ihre Partnernennungen vornehmen, stiegen nun lediglich 44 Anwälte zum Equity-Partner auf, im Vorjahr waren es noch 51. Die Zahl weiblicher Neupartner ist verschwindend gering.

Umsatz

CMS Hasche Sigle hat ihren Umsatz im vergangenen Jahr so stark gesteigert wie zuletzt im Boomjahr 2006. Mit einem Plus von acht Prozent im Vergleich zu 2014 kam die Sozietät auf einen Umsatz von rund 286 Millionen Euro. Zudem blieb - anders als in den beiden vergangenen Jahren - der Umsatz pro Berufsträger (UBT) beim Wachstum nicht auf der Strecke.