Kanzleiumsätze

Mega-Fusion

Die US-Sozietäten Wilmer Cutler Pickering und Hale and Dorr schließen sich im Juni zusammen. Die neu entstehende Kanzlei wird mit rund 700 Millionen Dollar zu den zehn umsatzstärksten Praxen im US-Markt gehören. Die Fusion solle gleichberechtigt als Merger of Equals erfolgen, betonten die Kanzleien. Ein deutscher Insider bezeichnete dagegen Wilmer Cutler als den stärkeren Fusionsteil.In den USA weisen beide Kanzleien vergleichbare Strukturen und Kennzahlen auf. Wilmer Cutler mit ihrem Stammsitz Washington gilt ebenso wie die Bostoner Hale and Dorr als typische Ostküstenkanzlei. Ähnlich sind auch die Größe von jeweils etwa 450 Partnern sowie die Profitabilität beider Kanzleien: durchschnittlich 810.000 Dollar Gewinn pro Partner erzielte zuletzt Wilmer Cutler, 780.000 Dollar Hale and Dorr. Mit einem Umsatz von jeweils rund 300 Millionen Dollar lagen Wilmer Cutler und Hale zuletzt im Mittelfeld des 'American Lawyer'-Rankings der amerikanischen Top 100-Kanzleien.

Der Amsterdamer KSU-Verlag hat auch in diesem Jahr seine Analyse des niederländischen Rechtsmarktes "De Stand van de Advocatuur" vorgelegt. Das Werk legt dabei besonderen Wert auf die statistische Erfassung der Anwaltschaft unter unterschiedlichen Gesichtspunkten. JUVE stellt hier die wichtigsten Trends aus dem jährlich erscheinenden Report vor. Außerdem: Ein Blick auf die Umsätze und Profite der Kanzleien. Größenstatistik

Clifford Chance hat sich Ende März in einer Abstimmung für ein deutlich vereinfachtes Verfahren zur Beendigung der Equity-Partnerschaft im Fall von unzureichender Leistung ausgesprochen. Die überraschend große Mehrzahl der stimmberechtigten Equity-Partner folgte damit einem Vorschlag des internationalen Managements der Kanzlei, das sich seit Monaten mit Debatten um Vergütungssystem und fallende Umsätze konfrontiert sieht. Auslöser der Diskussionen war ein Fall aus dem vergangenen Jahr: Englischen Presseberichten zufolge hatte Clifford erstmals einem Partner den Equity-Status entzogen. Betroffen war der frühere Managing Partner in Bangkok, Wirot Poonsuwan.

Umsätze

Eine Reihe US-amerikanischer Kanzleien haben bereits jetzt ihre Bilanzen für das Jahr 2003 vorgelegt. Ergebnis: Die führenden Sozietäten konnten fast durch die Bank zulegen, und zwar hinsichtlich Umsatz und Gewinn. Besonders erfolgreich scheinen die US-Westküsten-Kanzleien abgeschnitten zu haben. O'Melveny & Myers kommt für 2003 nach eigenen Angaben auf einen Umsatzzuwachs von 16 Prozent (658 Millionen Dollar bzw. 514 Millionen Euro), Gibson Dunn & Crutcher - die auch ein Büro in München unterhält - erreichte 14 Prozent mehr Einnahmen (645 Millionen Dollar bzw. 504 Millionen Euro). Die dritte große Kanzlei mit Stammsitz in Los Angeles, Latham & Watkins, schaffte es sogar, die Grenze von einer Milliarde Dollar zu überschreiten: Mit 1,03 Milliarden Dollar (806 Millionen Euro) legte sie 2003 um 14 Prozent zu. Latham ist in Deutschland mit zwei Büros - Hamburg und Frankfurt - vertreten.

Rödl

Rödl & Partner darf keine Werbeaussagen und keine Angaben über Umsatzentwicklung in Pressemitteilungen machen. Dies hat das Landgericht Nürnberg-Fürth bereits Mitte Dezember 2003 entschieden. Die Richter gaben damit einer Klage der Rechtsanwaltskammer Nürnberg statt.

Rödl

Der Gesamtumsatz von Rödl & Partner ist im Geschäftsjahr 2003 leicht um 1,4 Prozent auf 147,1 Millionen Euro gestiegen. Dies teilte die weltweit tätige Nürnberger Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Anfang Februar mit. In Deutschland wird trotz stetiger internationaler Expansion noch der mit Abstand größte Umsatz erzielt. Hier setzte die Gesellschaft insgesamt 102,4 Millionen Euro um.

Im September hat auch die französische Rechtspresse die Jahresumsätze der dortigen Kanzleien veröffentlicht. Trotz zum Teil immenser Unterschiede, die sich aus den Umfragen der Magazine ,Decideurs Juridiques' und ,Juristes Associes' ergeben, sind doch zwei Trends erkennbar: Britische und US-Sozietäten machen weiter französischen Boden gut und die WP-nahen Kanzleien spielen im Konzert der Großen keine Rolle.Laut ,Juristes Associes' konnte die Mehrheit der Kanzleien ihre Vorjahresergebnisse halten oder geringfügig verbessern. Allerdings sei das langsamste Wachstum seit Erhebung der Zahlen für 2002 festzustellen gewesen, die Zahl der Neueinstellungen befänden sich ebenfalls auf dem Tiefpunkt. Dabei machte die Zeitschrift nur bei jenen Kanzleien eine Umsatz-Verbesserung aus, die es geschafft hätten, neue Beratungsbereiche für sich zu erschließen. Zudem habe eine rigidere Kostenkontolle in die Büros Einzug gehalten.

Nauta Dutilh vorne, Loyens & Loeff mit überraschendem Zuwächsen, De Brauw hat sich verkleinert: Erneut haben die fünf bekanntesten unabhängigen Kanzleien Hollands ihre Umsatzzahlen und Anwaltszahlen veröffentlicht. Einer Tabelle von "The Lawyer" und - davon zum Teil abweichenden - JUVE-Recherchen zufolge, ergaben sich gegenüber dem Vorjahr einige Veränderungen. Die Umsatzzahlen von Nauta Dutilh liegen mit 143 Millionen Euro für 2002 an der Spitze. Den erstaunlichsten Zuwachs hingegen gab es bei Loyens & Loeff, die sich um 31 Prozent verbesserte. Die Anwälte der insgesamt multidisziplinär aufgestellten Sozietät erwirtschafteten einen Jahresumsatz von 87 Millionen Euro gegenüber den 69 Millionen aus dem Jahr 2001.

Dank Rekordumsätzen im Gesellschaftsrecht sind die deutschen Büros von Freshfields Bruckhaus Deringer zum ersten Mal seit der Fusion mit der Londoner Praxis gleich gezogen.Quellen in der englischen Hauptstadt berichten, dass der Umsatz der Gesamtsozietät im Geschäftsjahr 2002/2003, das im April endete, rund 446 Millionen Euro (330 Millionen Pfund) betrug.

Ernüchterung in London

Nach Jahren stark steigender Profitabilität haben die Londoner Kanzleien im vergangenen Jahr teilweise dramatische Rückgänge erleiden müssen. Obwohl bei den vier "Magic Circle"-Kanzleien Allen & Overy, Freshfields Bruckhaus Deringer, Clifford Chance und Linklaters die Umsätze weiter gestiegen sind, fielen die Profitabilitätsziffern zurück auf das Niveau von vor drei Jahren. Dies berichtet ,The Lawyer'.Danach war Clifford Chance am stärksten betroffen. Wo jeder Partner 2001 noch 1,2 Millionen Euro mit nach Hause nehmen konnte, ist nun aus der Partnerschaft zu hören, dass der Durchschnittsgewinn stark zürückgegangen sei - wohl auf weniger als 900.000 Euro.

Nach der Fusion der englischen Praxis von Rowe & Maw mit der US-Kanzlei Mayer Brown & Platt im Februar des vergangenen Jahres sind nun erstmals Umsatzzahlen veröffentlicht worden. Nach Angaben der Kanzlei konnten die Einnahmen aller Büros in den USA, England, Deutschland, Frankreich und Belgien zusammen um 13 Prozent erhöht werden.Die fusionierte Sozietät kam danach im Geschäftsjahr 2002 (Januar bis Dezember) auf einen Umsatz von 740 Millionen US-Dollar gegenüber 655 Millionen US-Dollar unter Zugrundelegung der kombinierten Zahlen der Praxen im Jahr 2001.