UNTERNEHMEN: RECHTSBERATUNG WIRD NEBENSACHE

Kaum ist das Mammutprojekt Datenschutz-Implementierung erledigt, dämmern am Horizont schon die nächsten Herausforderungen für die Unternehmensjuristen. Gesetzgeber und Justiz lassen nicht locker und zwingen damit die Rechtsabteilungen, ihr rechtliches Risikomanagement auf den Prüfstand zu stellen. Schritt halten können aber bei Weitem nicht alle.

Mehr als 90 Prozent der Unternehmensjuristen räumte dem Thema Datenschutz schon im November 2017 in der JUVE-Inhouse-Umfrage höchste Priorität ein (siehe Grafik). Andere Umfragen kamen wenig später aber zu dem ernüchternden Ergebnis, dass nur ein Bruchteil der Unternehmen pünktlich zum Mai 2018 auf die neuen Regeln eingestellt war.

Risikoanalyse ist ausbaubar

Zwar machen sich die Syndikusrechtsanwälte keine Illusionen darüber, dass die Rechtsrisiken immer vielfältiger werden. Doch viel zu selten folgt darauf bislang eine Reaktion. Umso bemerkenswerter sind solche Unternehmen, in denen Management und Rechtsverantwortliche konsequent auf die sich verändernde Risikolandschaft reagieren – oder die Rechts- und Compliance-Funktionen ohnehin schon als natürliches Element des Risikomanagements betrachten. Beispiele dafür sind Schaeffler oder die Deutsche Telekom, wo inzwischen mehrere Juristen mit IT-Kompetenz tätig sind, um den Digitalisierungsprozess der Unternehmen begleiten zu können. E.on wiederum bezog bei der Neuausschreibung ihrer Beraterverträge auch die Themen IT und Datenschutz ein, und ProSiebenSat.1-Juristen befassen sich längst mit dem rechtlichen Rahmen des Nutzertrackings.

Wie starkt Rechtsrisiken steigen

Ganzheitlich nehmen jedoch nur die wenigsten Unternehmen ihre rechtliche Risikolandschaft in den Blick. Anders Robert Bosch. Schon bevor das Unternehmen in der Dieselaffäre eine Rolle spielte, begann dort etwas, was in Deutschland bislang einmalig sein dürfte: eine Tiefenanalyse der Rechtsabteilung. Das Ergebnis: Vieles läuft, wie es soll, aber um den Ansprüchen an eine risikoorientierte Rechtsabteilung gerecht zu werden, reicht es nicht. Seit gut einem Jahr werden die Ergebnisse umgesetzt, das Team vergrößert und der erweiterten Führungsebene mehr Verantwortung zuteil.

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